02.09.2023
Was bereits ein volkstümliches Kinderlied besang («Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm …»), bekamen Interessierte des Natur- und Vogelschutzes Gränichen, des Obst- & Gartenbauvereins Gränichen und des Biologischen Gartenbauvereins Unterentfelden am 02.09.2023 zuhauf und in verschiedensten Variationen zu sehen: die Hagebutte, Frucht der Wildrosen. Denn in Hallwil startete an diesem Tag für die drei Vereine unter der Führung von Victor Condrau die Besichtigung der Wildobstanlage inkl. Wildrosen-Arboretum. Victor ist freischaffender Landschaftsarchitekt & Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandschaft Aare-Seetal KLAS. Er erklärte, dass das Rosen-Arboretum kreisförmig gemäss fünfteiligem Blütendiagramm der Rose angeordnet wurde. Es enthält alle rund 31 Wildrosenarten der Schweiz. Wir erfuhren, was Rosengallwespen mit den Hagebutten machen, wie man Wildrosen zurückschneiden und Wildobsttriebe am besten vermehren kann, ohne erwünschte Eigenschaften zu verlieren. Victor erzählte uns wahrlich keine Märchen, auch nicht, als er das Ammenmärchen vom Dornröschen auflöste: Rosen tragen keine Dornen sondern Stacheln. Nicht nur in Liedern und Märchen, also kulturhistorisch, war die Verwendung der Rose beliebt, auch heute noch hat sie ökologischen und gesundheitsfördernden Wert. So werden Teile der Pflanze gerne verwertet zur Verarbeitung in Parfüm, Gesichtswasser, Tee, Wein, Schnaps oder Likör.
Wo früher Intensivacker herrschte, erfolgte durch die Stiftung KLAS und ProSpecieRara eindeutig eine landschaftliche Aufwertung, welche Besucherinnen und Besucher 750 Wildobstgehölze - hauptsächlich aus Europa - näherbringt. Die Vorfahren unseres Kulturobstes sind wenig bis kaum züchterisch bearbeitet und dienen als genetische Ressourcen für die Züchtung weiterer Kultursorten. Der Standort Hallwil wird durch den Landwirtschaftsbetrieb «Gmüeser» kommerziell genutzt, indem er neue Wildobst-Produkte testet, entwickelt und auf den Markt bringt. Der zweite Standort des Wildobst-Arboretums Seetal, welcher im Anschluss an Hallwil ebenfalls besichtigt wurde, befindet sich in Dürrenäsch. Die «freilebende Genbank» beeindruckte die Exkursionsteilnehmenden durch ihre Grösse (1,3 ha) und Vielfalt. 1500 Pflanzen und rund 500 Sorten beherbergt sie und gilt als die grösste Wildobstsammlung der Schweiz. Ergänzt mit Blumenwiesen, Kleinstrukturen, Greifvogelstangen und Wildbienenhäuser ist das Wildobst-Arboretum ein wahrlicher Biodiversität-Hotspot.
Im Rahmen der Führung war Naschen und Degustieren erlaubt und sogar erwünscht. Die urtümlichen Geschmäcker der gesunden Beeren von Kornelkirsche, Schwarzdorn/Schlehe, Sanddorn, Berberitze, Felsenbirne und viele mehr liessen die Exkursionsteilnehmenden staunen. Ein kulinarisches Erlebnis war auch die abschliessende Degustation von verarbeiteten Wildobst-Produkten. Gewisse Früchte können zwar direkt ab Strauch gegessen werden, die uns angebotenen Produkte wurden teilweise nach Frosteinwirkung weiter verarbeitet zu Chutney, Konfi, Sirup, Essig, Dörrfrüchte oder – ein persönliches Highlight - zu "Oliven des armen Mannes", welche nichts anderes als die Kornelkirsche der Sorte 'Flava' beinhaltete.
Wen es nun «gluschtet», seinen Garten mit einer eigenen Naschhecke oder einzelnen Wildobstgehölzen aufzuwerten, profitiert von pflegeleichten und robusten Varianten, die keine regelmässigen Schnittmassnahmen benötigen und für den Eigenbedarf genutzt werden oder für viele Tierarten wie Vögel, Kleinsäuger oder Insekten als Nahrungsquelle dienen können.
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